Interview

Neue Lebensformen gesucht

Vor drei Jahren haben Florian Niedermeier, Bernd Maier und Nikolaus Driessen die Markthalle Neun eröffnet. Ein Gespräch über regionale Lebensmittel, globale Migrationsbewegungen und den guten Geschmack.

Wir sitzen hier in einer historischen Markthalle, Eurer Markthalle. Was ist und was war das für ein Ort?
Florian Niedermeier: Historisch betrachtet war die Markthalle der Ort an dem die Lebensmittel gehandelt und teilweise auch verarbeitet und zubereitet wurden. Das Gemüse aus dem Umland, das Fleisch aus den Schlachthöfen.
Bernd Maier: Damit markiert die Markthalle einen gesellschaftlichen Wandel. In den Berliner Markthallen wurde die Industriegesellschaft versorgt. Zum ersten Mal in der Geschichte war der Broterwerb für einen Großteil der Bevölkerung also vom wortwörtlichen Broterwerb abgekoppelt. Die Leute hatten keinen Acker mehr, ja nicht einmal mehr einen Garten.
Florian Niedermeier: Essen ist also das zentrale Thema wenn man eine Stadt plant, wenn man die Bevölkerung ernähren will. Um in die Gegenwart zu kommen: Wir wollen, dass die Nahrungsmittelkultur wieder ein lebendiger Teil der Stadt wird. Essen ist ja nun einmal ein Riesenthema für jeden von uns, mehrmals am Tag. Darüber hinaus ist so ein Ort ja nicht nur Markt, sondern auch Markplatz. Ein Ort, an dem die Öffentlichkeit zusammenkommt.
Nikolaus Driessen: Dieser Aspekt ist ganz wichtig. Die Markthalle Neun war von Anfang an auch als Ort der Debatten und Diskussionen gedacht, als ein Ort der sich einmischt.

Essen ist also politisch. Aber hatte man in der Biobewegung der Achtziger und Neunziger nicht den Eindruck, dass Essen vor allem politisch war?
Nikolaus Driessen: Dabei würde ich die Zeit, zumal hier in Kreuzberg, schon auch als eine Keimzelle dessen sehen, was wir jetzt hier in der Markthalle Neun erleben.
Bernd Maier: Ein Problem der Biobewegung war, dass die Sinnlichkeit und der Genuss und auch die Tradition da wenig Platz hatten. Die Leute, die hier in der Halle mitmachen, denken das alles automatisch zusammen. Das ist eine Szene, die schon um die Fair-Trade-Bewegung weiß, aber noch viel mehr in dieses Traditionelle, Handwerkliche, Regionale, Authentische hineinarbeitet.
Florian Niedermeier: Wer sich heute entscheidet irgendetwas mit Lebensmitteln zu machen, der muss das Besondere machen und der muss dabei ökologisch denken. Die Industrie ist besetzt und die kann das, da brauchst Du gar nicht erst anzufangen.

Die Markthalle Neun steht explizit für diese Vielfalt. Wer sind die Leute, die sozusagen den Unterschied machen?
Bernd Maier: Es ist ein Geschenk, dass Berlin gerade so viele Leute anzieht, die extrem auf der Suche sind nach neuen Lebensformen und, ja, auch nach Konsumformen. Das bereichert die traditionellen Felder der Pop- und Subkulturen, also Kunst, Musik, und so weiter, Aber das bereichert längst genauso die Lebensmittel. Wir partizipieren an einem Klima, das extrem offen ist für neue Dinge.

Und entscheidend sind die Produkte auf die man als Händler oder Produzent zurückgreifen kann.
Florian Niedermeier: Ich glaube schon auch, dass das viel mit der spezifischen Geschichte des Berliner Umlandes zu tun hat. Es ist ja nicht nur die Stadt, die sich gerade neu definiert und Zuwanderung erfährt, sondern auch das Land, das zu Zeiten der DDR verstaatlicht war und jetzt Freiraum bietet.
Nikolaus Driessen: Und dann ist da noch die historisch besondere Situation, das Westberlin durch die Mauer ja entkoppelt war vom Umland. Der Kontakt zwischen Stadt und Land musste erst wieder geschaffen werden.
Florian Niedermeier: Was ich markant finde ist, dass viele der Landwirte in Brandenburg durchaus einen urbanen Hintergrund haben, die sind vielleicht Künstler oder kommen aus der Medienbranche. Es geht also um die bewusste Entscheidung: Ich werde Kartoffelbauer. Aus diesem Bewusstsein heraus, werden die entscheidenden Fragen dann ganz selbstverständlich gestellt: Wie verhalte ich mich zur industrialisierten Landwirtschaft? Wie zum Einsatz von Pestiziden? Wie hat Ackerbau vor 50 Jahren funktioniert und wie vor 150 Jahren? Welche Sorten wurden damals gepflanzt und wären heute vielleicht immer noch vernünftig? Dann hast du einen Kartoffelbauer, der sehr tief in seinem Thema steckt und dir deshalb mit Sicherheit auch andere Kartoffeln anbieten kann.

Zumal guter Geschmack nirgends so wörtlich zu nehmen ist wie bei Lebensmitteln.
Florian Niedermeier:
Und Geschmack ist Erziehungssache, Geschmack ist nicht angeboren oder vererbt, Geschmack ist erlernt. Darum geht es ja auch bei dieser Kaffeebewegung ganz stark, wieder differenzieren zu können, Unterschiede zu schmecken.
Nikolaus Driessen: Deshalb haben wir ja den Discounter noch immer in unserer Halle. Viele Menschen im Kiez müssen mit wenig Geld auskommen, die gehen zwangsläufig zu Aldi. Wenn die sich dann aber einmal bei uns noch eine Suppe oder einen Kaffee holen, haben wir sie angefixt …
Florian Niedermeier: Die Markthalle Neun steht, am Street Food Thursday etwa, ganz bewusst für ein niedrigschwelliges Angebot. Man kommt hier rein und kann für fünf Euro sehr, sehr tolle Produkte bekommen.

Ihr habt es angesprochen: Gutes, faires Essen hat seinen Preis. In einem einkommensschwachen Kiez wie jenem rund um die Markthalle Neun wir das auch zu einer sozialen Debatte.
Nikolaus Driessen:
Der Teil von Kreuzberg, in dem wir uns hier befinden, ist einer der sozialen Brennpunkte Berlins. Tatsächlich ist da gerade ein ungeheurer Druck auf dem Quartier, Mieten explodieren und Leute haben reell Angst, sich diese Nachbarschaft nicht mehr leisten zu können. Die Gentrifizierungsdebatte ist enorm. Wir möchten also, dass sich die Leute gut ernähren und gleichzeitig hat das einen gewissen Preis, das ist eine total spannende Debatte. Da steckt auch ein unauflöslicher Konflikt drin, aber gerade das tut der Sache gut, weil wir uns immer wieder fragen müssen, was wollen wir eigentlich? Wohin geht die Reise?

Das Interview führte Clemens Niedenthal

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Zum ersten Mal in der Geschichte war der Broterwerb für einen Großteil der Bevölkerung also vom wortwörtlichen Broterwerb abgekoppelt. Die Leute hatten keinen Acker mehr, ja nicht einmal mehr einen Garten. Florian Niedermeier: Essen ist also das zentrale Thema wenn man eine Stadt plant, wenn man die Bevölkerung ernähren will. Um in die Gegenwart zu kommen: Wir wollen, dass die Nahrungsmittelkultur wieder ein lebendiger Teil der Stadt wird. Essen ist ja nun einmal ein Riesenthema für jeden von uns, mehrmals am Tag. Darüber hinaus ist so ein Ort ja nicht nur Markt, sondern auch Markplatz. Ein Ort, an dem die Öffentlichkeit zusammenkommt. Nikolaus Driessen: Dieser Aspekt ist ganz wichtig. Die Markthalle Neun war von Anfang an auch als Ort der Debatten und Diskussionen gedacht, als ein Ort der sich einmischt. Essen ist also politisch. Aber hatte man in der Biobewegung der Achtziger und Neunziger nicht den Eindruck, dass Essen vor allem politisch war? Nikolaus Driesen: Dabei würde ich die Zeit, zumal hier in Kreuzberg, schon auch als eine Keimzelle dessen sehen, was wir jetzt hier in der Markthalle Neun erleben. Bernd Maier: Ein Problem der Biobewegung war, dass die Sinnlichkeit und der Genuss und auch die Tradition da wenig Platz hatten. Die Leute, die hier in der Halle mitmachen, denken das alles automatisch zusammen. Das ist eine Szene, die schon um die Fair-Trade-Bewegung weiß, aber noch viel mehr in dieses Traditionelle, Handwerkliche, Regionale, Authentische hineinarbeitet. Florian Niedermeier: Wer sich heute entscheidet irgendetwas mit Lebensmitteln zu machen, der muss das Besondere machen und der muss dabei ökologisch denken. Die Industrie ist besetzt und die kann das, da brauchst Du gar nicht erst anzufangen. Die Markthalle Neun steht explizit für diese Vielfalt. Wer sind die Leute, die sozusagen den Unterschied machen? Bernd Maier: Es ist ein Geschenk, dass Berlin gerade so viele Leute anzieht, die extrem auf der Suche sind nach neuen Lebensformen und, ja, auch nach Konsumformen. Das bereichert die traditionellen Felder der Pop- und Subkulturen, also Kunst, Musik, und so weiter, Aber das bereichert längst genauso die Lebensmittel. Wir partizipieren an einem Klima, das extrem offen ist für neue Dinge. Und entscheidend sind die Produkte auf die man als Händler oder Produzent zurückgreifen kann. Florian Niedermeier: Ich glaube schon auch, dass das viel mit der spezifischen Geschichte des Berliner Umlandes zu tun hat. Es ist ja nicht nur die Stadt, die sich gerade neu definiert und Zuwanderung erfährt, sondern auch das Land, das zu Zeiten der DDR verstaatlicht war und jetzt Freiraum bietet. Nikolaus Driessen: Und dann ist da noch die historisch besondere Situation, das Westberlin durch die Mauer ja entkoppelt war vom Umland. Der Kontakt zwischen Stadt und Land musste erst wieder geschaffen werden. Florian Niedermeier: Was ich markant finde ist, dass viele der Landwirte in Brandenburg durchaus einen urbanen Hintergrund haben, die sind vielleicht Künstler oder kommen aus der Medienbranche. Es geht also um die bewusste Entscheidung: Ich werde Kartoffelbauer. Aus diesem Bewusstsein heraus, werden die entscheidenden Fragen dann ganz selbstverständlich gestellt: Wie verhalte ich mich zur industrialisierten Landwirtschaft? Wie zum Einsatz von Pestiziden? Wie hat Ackerbau vor 50 Jahren funktioniert und wie vor 150 Jahren? Welche Sorten wurden damals gepflanzt und wären heute vielleicht immer noch vernünftig? Dann hast du einen Kartoffelbauer, der sehr tief in seinem Thema steckt und dir deshalb mit Sicherheit auch andere Kartoffeln anbieten kann. Zumal guter Geschmack nirgends so wörtlich zu nehmen ist wie bei Lebensmitteln. Florian Niedermeier: Und Geschmack ist Erziehungssache, Geschmack ist nicht angeboren oder vererbt, Geschmack ist erlernt. Darum geht es ja auch bei dieser Kaffeebewegung ganz stark, wieder differenzieren zu können, Unterschiede zu schmecken. Nikolaus Driessen: Deshalb haben wir ja den Discounter noch immer in unserer Halle. Viele Menschen im Kiez müssen mit wenig Geld auskommen, die gehen zwangsläufig zu Aldi. Wenn die sich dann aber einmal bei uns noch eine Suppe oder einen Kaffee holen, haben wir sie angefixt … Florian Niedermeier: Die Markthalle Neun steht, am Street Food Thursday etwa, ganz bewusst für ein niedrigschwelliges Angebot. Man kommt hier rein und kann für fünf Euro sehr, sehr tolle Produkte bekommen. Ihr habt es angesprochen: Gutes, faires Essen hat seinen Preis. In einem einkommensschwachen Kiez wie jenem rund um die Markthalle Neun wir das auch zu einer sozialen Debatte. Nikolaus Driessen: Der Teil von Kreuzberg, in dem wir uns hier befinden, ist einer der sozialen Brennpunkte Berlins. Tatsächlich ist da gerade ein ungeheurer Druck auf dem Quartier, Mieten explodieren und Leute haben reell Angst, sich diese Nachbarschaft nicht mehr leisten zu können. Die Gentrifizierungsdebatte ist enorm. Wir möchten also, dass sich die Leute gut ernähren und gleichzeitig hat das einen gewissen Preis, das ist eine total spannende Debatte. Da steckt auch ein unauflöslicher Konflikt drin, aber gerade das tut der Sache gut, weil wir uns immer wieder fragen müssen, was wollen wir eigentlich? Wohin geht die Reise?
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Zum ersten Mal in der Geschichte war der Broterwerb für einen Großteil der Bevölkerung also vom wortwörtlichen Broterwerb abgekoppelt. Die Leute hatten keinen Acker mehr, ja nicht einmal mehr einen Garten. Florian Niedermeier: Essen ist also das zentrale Thema wenn man eine Stadt plant, wenn man die Bevölkerung ernähren will. Um in die Gegenwart zu kommen: Wir wollen, dass die Nahrungsmittelkultur wieder ein lebendiger Teil der Stadt wird. Essen ist ja nun einmal ein Riesenthema für jeden von uns, mehrmals am Tag. Darüber hinaus ist so ein Ort ja nicht nur Markt, sondern auch Markplatz. Ein Ort, an dem die Öffentlichkeit zusammenkommt. Nikolaus Driessen: Dieser Aspekt ist ganz wichtig. Die Markthalle Neun war von Anfang an auch als Ort der Debatten und Diskussionen gedacht, als ein Ort der sich einmischt. Essen ist also politisch. Aber hatte man in der Biobewegung der Achtziger und Neunziger nicht den Eindruck, dass Essen vor allem politisch war? Nikolaus Driesen: Dabei würde ich die Zeit, zumal hier in Kreuzberg, schon auch als eine Keimzelle dessen sehen, was wir jetzt hier in der Markthalle Neun erleben. Bernd Maier: Ein Problem der Biobewegung war, dass die Sinnlichkeit und der Genuss und auch die Tradition da wenig Platz hatten. Die Leute, die hier in der Halle mitmachen, denken das alles automatisch zusammen. Das ist eine Szene, die schon um die Fair-Trade-Bewegung weiß, aber noch viel mehr in dieses Traditionelle, Handwerkliche, Regionale, Authentische hineinarbeitet. Florian Niedermeier: Wer sich heute entscheidet irgendetwas mit Lebensmitteln zu machen, der muss das Besondere machen und der muss dabei ökologisch denken. Die Industrie ist besetzt und die kann das, da brauchst Du gar nicht erst anzufangen. Die Markthalle Neun steht explizit für diese Vielfalt. Wer sind die Leute, die sozusagen den Unterschied machen? Bernd Maier: Es ist ein Geschenk, dass Berlin gerade so viele Leute anzieht, die extrem auf der Suche sind nach neuen Lebensformen und, ja, auch nach Konsumformen. Das bereichert die traditionellen Felder der Pop- und Subkulturen, also Kunst, Musik, und so weiter, Aber das bereichert längst genauso die Lebensmittel. Wir partizipieren an einem Klima, das extrem offen ist für neue Dinge. Und entscheidend sind die Produkte auf die man als Händler oder Produzent zurückgreifen kann. Florian Niedermeier: Ich glaube schon auch, dass das viel mit der spezifischen Geschichte des Berliner Umlandes zu tun hat. Es ist ja nicht nur die Stadt, die sich gerade neu definiert und Zuwanderung erfährt, sondern auch das Land, das zu Zeiten der DDR verstaatlicht war und jetzt Freiraum bietet. Nikolaus Driessen: Und dann ist da noch die historisch besondere Situation, das Westberlin durch die Mauer ja entkoppelt war vom Umland. Der Kontakt zwischen Stadt und Land musste erst wieder geschaffen werden. 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Darum geht es ja auch bei dieser Kaffeebewegung ganz stark, wieder differenzieren zu können, Unterschiede zu schmecken. Nikolaus Driessen: Deshalb haben wir ja den Discounter noch immer in unserer Halle. Viele Menschen im Kiez müssen mit wenig Geld auskommen, die gehen zwangsläufig zu Aldi. Wenn die sich dann aber einmal bei uns noch eine Suppe oder einen Kaffee holen, haben wir sie angefixt … Florian Niedermeier: Die Markthalle Neun steht, am Street Food Thursday etwa, ganz bewusst für ein niedrigschwelliges Angebot. Man kommt hier rein und kann für fünf Euro sehr, sehr tolle Produkte bekommen. Ihr habt es angesprochen: Gutes, faires Essen hat seinen Preis. In einem einkommensschwachen Kiez wie jenem rund um die Markthalle Neun wir das auch zu einer sozialen Debatte. Nikolaus Driessen: Der Teil von Kreuzberg, in dem wir uns hier befinden, ist einer der sozialen Brennpunkte Berlins. Tatsächlich ist da gerade ein ungeheurer Druck auf dem Quartier, Mieten explodieren und Leute haben reell Angst, sich diese Nachbarschaft nicht mehr leisten zu können. Die Gentrifizierungsdebatte ist enorm. Wir möchten also, dass sich die Leute gut ernähren und gleichzeitig hat das einen gewissen Preis, das ist eine total spannende Debatte. Da steckt auch ein unauflöslicher Konflikt drin, aber gerade das tut der Sache gut, weil wir uns immer wieder fragen müssen, was wollen wir eigentlich? Wohin geht die Reise?